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Der RSI-Indikator einfach erklärt

21 Juni 2017

Der amerikanische Maschinenbauingenieur und Investor J. Welles Wilder entwickelte einige der beliebtesten technischen Indikatoren unserer Zeit.

Hierzu gehören die Average True Range (ATR), der Average Directional Index (ADX), der Parabolic SAR und der Relative Strength Index (RSI). In diesem Artikel werden wir uns umfassend mit dem Relative Strength Index befassen einschließlich zahlreicher Beispiele vom Währungsmarkt.

Der RSI Index, der von J. Welles Wilder entwickelt und in seinem Buch New Concepts in Technical Trading Systems vorgestellt wurde, wird auch heute noch 40 Jahre später häufig genutzt. Der RSI ist ebenso wie der MACD oder die Stochastik ein Momentumoszillator und bedarf daher vor der Eröffnung einer Kauf- oder Verkaufsorder zusätzlicher Bestätigung in Form von Candlestickmustern oder anderen quantitativen Indikatoren.

Wofür steht der RSI Indikator?

Der Indikator steht für die Dynamik, also die Stärke, eines bestimmten Marktes, indem man die erzielten Gewinne und Verluste in einem spezifischen Zeitraum vergleicht. Des Indikators Ziel ist es also, Hinweise auf die Geschwindigkeit zu geben, mit der ein Markt steigt oder fällt. Private wie auch institutionelle Investoren verwenden den RSI, um Bereiche zu identifizieren, die potenziell überkauft oder überverkauft sind. J. Welles Wilder empfiehlt für den Momentumindikator als Standardeinstellung eine Glättungsperiode von 14. Der RSI besitzt einen höheren Wert, wenn der Gewinn in einem bestimmten Zeitraum größer als der Verlust ist. Im umgekehrten Fall, wenn die durchschnittlichen Verluste größer als die durchschnittlichen Gewinne sind, sinkt der RSI im Wert. Der nachfolgende Chart zeigt den RSI Indikator auf dem Währungspaar USD/JPY. Beachten Sie, wie der Wert des RSI sich zwischen 0 und 100 normalisierte.

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Der RSI kann natürlich auch auf anderen Timeframes verwendet werden als den Tageschart, aber Händler müssen darauf achten, dass eine schnellere Glättungsperiode auch volatilere Bewegungen des RSI nach sich ziehen wird, während eine langsame Glättungsperiode einen weniger Preissensiblen RSI schafft.

Der RSI berechnet sich wie folgt:

RSI = 100 – [100/(1+RS)]

RS = Geglättete durchschnittliche Gewinne / geglättete durchschnittliche Verluste

Durchschnittliche Gewinne = Summe aller Gewinne in einem bestimmten Zeitraum

Durchschnittliche Verluste = Summer aller Verluste in einem bestimmten Zeitraum

Die geglätteten durchschnittlichen Gewinne und Verluste werden wie folgt berechnet:

Geglättete durchschnittliche Gewinne = [(vorheriger durchschnittlicher Gewinn) x 13 + aktueller Gewinn]

Geglättete durchschnittliche Verluste = [(vorheriger durchschnittlicher Verlust) x 13 + aktueller Verlust]

Durch Wilders Formel schwankt der Wert des Indikators also zwischen 0 und 100. Wenn beispielsweise in jeder Sitzung ein Gewinn vorliegt, dann liegt der Wert des RSI bei 100. Wenn hingegen in jeder Sitzung ein Verlust vorliegt, dann liegt der Wert des RSI bei 0.

Die Verwendung des RSI Indikators

Der RSI Indikator ist tatsächlich ein universell einsetzbarer Indikator, weshalb er sich größter Beliebtheit erfreut. Die populärsten Anwendungsgebiete des RSI Indikators umfassen:

  • Feststellung des Überkauftheits- / Überverkaufheitsgrades eines Marktes
  • Feststellung einer Divergenz im Verlauf des RSI Indikators

1. Überkaufte und überverkaufte Marktbedingungen

Der RSI wird überwiegend zur Identifizierung von Währungspaaren (oder anderen Vermögenswerten) herangezogen, die in überkauften oder überverkauften Bereichen notieren. Ein RSI von über 70 signalisiert Wilders zufolge einen überkauften Markt und ein RSI von unter 30 einen überverkauften Markt.

Wenn sich der Preis eines Währungspaares in den letzten Perioden dynamisch nach oben entwickelte, wird der RSI mit einem höheren Wert reagieren. Dies beruht auf der Vermutung, dass ein schneller Preisanstieg normalerweise nicht nachhaltig ist und letztlich zu einer Korrektur nach unten führt. Ein Durchschreiten der Grenze bei 70 bedeutet also, dass der Markt überkauft ist und eine baldige Korrektur des Kurses zu erwarten sein könnte.

Umgekehrt sorgt ein rascher Preisverfall zu einem überverkauften Markt. So können Händler in diesem Fall auf eine Erholung des Kurses spekulieren, sobald der RSI die untere Markierung bei 30 durchbricht.

Der RSI als Momentumindikator kann aber auch recht viele Fehlsignale produzieren. Deshalb sollte eine zusätzliche Bestätigung für eine anstehende Richtungsänderung genutzt werden. Investoren gehen oft short, wenn sich der Markt über die Referenzlinie im Verlauf des RSI bei 70 bewegt. Wer hier aber auf Nummer sicher gehen will, sollte warten bis sich der RSI erneut unter die Referenzlinie bei 70  bewegt und daraufhin ein Verkaufssignal generiert. Entgegengesetzt wird ein Kaufsignal erzeugt, wenn sich der RSI zunächst unter die Referenzlinie von 30 bewegt und anschließend den Schwellenwert von unten nach oben erneut durchbricht. Dies ist erforderlich, denn der RSI kann sich über einen längeren Zeitraum im überkauften und überverkauften Bereich aufhalten, wenn das Währungspaar einen neues Aufwärts- oder Abwärtstrend formt.

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Dem obigen Chart sind mögliche Signale zur Positionseröffnung zu entnehmen. So bewegte sich der RSI beim ersten Pfeil zunächst unter die Referenzlinie bei 30 und kletterte kurze Zeit später darüber, woraufhin der Indikator ein Kaufsignal erzeugte. Wie Sie sehen können ergab sich daraus ein wunderschöner Preisanstieg. Dagegen liegt beim zweiten Pfeil ein Verkaufssignal vor, woraufhin der Preis nach unten kippte. Beim dritten Pfeil liegt hingegen ein Fehlsignal vor, woraufhin der Preis nach einer kurzen Abwärtsbewegung wieder nach oben drehte. Der vierte Pfeil erzeugte ein Kaufsignal und dementsprechend kletterte der Preis gen Norden. In diesen Fällen würden wir unseren Stop-Loss bei einer Shortposition über dem vorherigen Swinghoch bzw. bei einer Longposition unter dem vorherigen Swingtief platzieren.

2. Die RSI Divergenz

In seiner Funktion als Momentumindikator sollte der RSI am besten in Kombination mit Divergenzen eingesetzt werden. Divergenzen sind nichts anderes als Abweichungen zwischen Indikator- und Kursverlauf. Eine Divergenz tritt auf wenn der Kurs des Währungspaares sich entgegengesetzt zum RSI entwickelt. Diese charttechnische Situation signalisiert, dass das Momentum der Kursbewegung an Schwung verliert und eine mögliche Trendumkehr ankündigt. Es wird von einer bärischen Divergenz gesprochen, wenn das Währungspaar im Wert auf neue Hochpunkte klettert, während diese aber nicht mehr durch neue Hochpunkte im Verlauf des RSI bestätigt werden. Das bedeutet, dass das Kaufinteresse der Marktteilnehmer nachlässt und damit die Wahrscheinlichkeit einer bevorstehenden Trendwende wächst. Das Gleiche gilt umgekehrt für bullische Divergenzen. Neue Tiefpunkte im Währungspaar werden durch den RSI nicht mehr bestätigt. Entsprechend lässt der Verkaufsdruck nach und dem Währungspaar könnte eine Trendumkehr bevorstehen.

In den folgenden Charts werden wir Ihnen zeigen, wie Sie eine bärische und bullische Divergenz handeln. Schauen wir uns hierfür A) und B) an:

A) Bullische Divergenz

Dem untenstehenden Chart ist eine bullische RSI Divergenz im Tageschart des Währungspaares AUD/USD zu entnehmen. Um eine bullische Divergenz zu finden, müssen Sie nach höheren Hochs im Verlauf des RSI suchen und tieferen Tiefs im Kursverlauf des Währungspaares. Das Währungspaar erreichte ein neues Tief, welches nicht durch ein neues Tief des RSI bestätigt wurde. Sie sollten jedoch nicht gleich eine Longposition eröffnen, sondern die erhaltenen Informationen mit anderen Timeframes oder Candlestickmustern koppeln. Dadurch erhalten Sie zuverlässigere Kaufsignale bei einer bullischen RSI Divergenz. Ihren Stop-Loss platzieren Sie knapp unter dem tieferen Tief im Kursverlauf des Währungspaares.

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B) Bärische Divergenz

Nachfolgend betrachten wir eine bärische RSI Divergenz. Im Kursverlauf werden höhere Hochs erreicht, während der RSI tiefere Tiefs ausbildet, woraufhin eine bärische Divergenz entsteht. Als einfache Faustregel zur Identifizierung dieser Divergenzen sollten Sie sich einfach einen Bullen und einen Bären vorstellen. Eine bärische Divergenz entsteht durch zwei abfallende Hochs im Verlauf des Indikators. Der Bär reißt also den RSI mit seinen Krallen langsam aber sicher nach unten. Eine bullische Divergenz wird unter dem Verlauf des RSI Indikators dargestellt. Wird ein Kurstief durch kein neues Tief im Indikator bestätigt, so leitet sich daraus möglicherweise ein Kaufsignal ab. Die Bullen treiben den RSI also mit ihren Hörnern von unten nach oben.

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Praxisbeispiele

1. Beispiel AUD/USD Bärische Divergenz

Im nachfolgenden Chart liegt eine bärische Divergenz vor. Wie Sie auf dem Chart sehen, ist das zweite höher als das erste Kurshoch. Zugleich entstand eine Divergenz zwischen dem Kursverlauf und dem RSI Indikator. Der RSI konnte diese Kurshochs nicht mehr bestätigen und markierte im Verlauf des Indikators ein tieferes Hoch. Dies bestätigt die bärische Divergenz und erzeugt ein Verkaufssignal. Im Zuge dieser Divergenz wird die Trendwende eingeleitet und das Währungspaar bewegt sich gen Süden.

RSI-Barische-AUDUSD2.jpg

2. Beispiel GBP/USD bullische Divergenz

Im Chartbild des Währungspaares GBP/USD lässt sich eine bullische Divergenz identifizieren. Im Gegensatz zu Beispiel 1 signalisiert dieses Beispiel eine bullische Divergenz. Wie Sie auf dem Chart sehen können, werden die zwei Tiefpunkte miteinander verbunden. Das zweite ist tiefer angesiedelt als das erste Tief. Bei einem Blick auf den RSI werden Sie feststellen, dass das zweite Tief im Verlauf des Indikators, welches das zweite Tief im Kurschart repräsentiert, höher liegt. Es besteht also eine Divergenz zwischen dem Kurschart und dem RSI Indikator. Entsprechend spekulieren viele Trader auf eine Trendwende. Eine zusätzliche Bestätigung wie ein Candlestickmuster oder ein anderer quantitativer Indikator wird möglicherweise verwendet, um die Information zu verifizieren und eine Longposition zu eröffnen.

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3. Beispiel EUR/JPY Bärische Divergenz

Im dritten Beispiel erkennen Sie eine negative Divergenz zwischen dem Chartbild des Währungspaares EUR/JPY und dem RSI Indikator. Die Distanz zwischen den beiden Hochpunkten ist recht klein, aber die Divergenz ist dennoch gültig. Solange also im Chartverlauf zwei benachbarte Hochs und eine Divergenz zu erkennen sind, ist dies ein verifiziertes Signal für eine Divergenz. Sie müssen diese Divergenz zwar durch ein Candlestickmuster oder andere technische Indikatoren belästigen lassen bevor Sie handeln, aber es liegt eine gültige Divergenz vor. Wie in Beispiel 1 liegt bei dieser Divergenz ein höheres Hoch im Kurschart und ein tiefes Hoch im RSI Indikator vor. Dies lässt auf eine negative Divergenz schließen und wird entsprechend neue Verkäufer anlocken.

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Schlussbemerkung

Der RSI ist einer der beliebtesten technischen Indikatoren, der von Marktakteuren und Marktanalysten verwendet wird. Er steht für die Dynamik, also die Stärke, eines bestimmten Marktes, indem man die erzielten Gewinne und Verluste in einem spezifischen Zeitraum vergleicht. Wie alle anderen Momentumindikatoren sollten die Signale vom RSI durch andere nicht Momentumindikatoren bestätigt werden. Der RSI wird überwiegend zur Identifizierung von Währungspaaren (oder anderen Vermögenswerten) herangezogen, die in überkauften oder überverkauften Bereichen notieren. Überkauft ist das Währungspaar bei einem Indikatorenstand von mehr als siebzig. Überverkauft gilt die jeweilige Valuta unter dreißig. Einige Trader verwenden auch die Extremzonen 80 und 20. Sie wollen damit das Risiko eines Fehlsignals durch den RSI minimieren. Divergenzen werden in bärische und bullische Divergenzen unterteilt. Wird ein Kurshoch durch kein neues Hoch im Verlauf des Indikators bestätigt, leitet sich daraus möglicherweise ein Verkaufssignal ab (bullische Divergenz). Umgekehrt gilt das gleiche für die bärische Divergenz. Im Verlauf des RSI werden höhere Tiefs ausgebildet, während der Kurs tiefere Tiefs ausbildet.