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Bollinger Bänder - Der schnelle Weg zum Reichtum?

16 September 2017

Bollinger Bänder sind ein beliebter technischer Indikator, der die Marktvolatilität eines Finanzinstruments misst. Anfang 1980 entwickelte der bekannte technische Analyst, John Bollinger, diesen Indikator. 2011 wurde der Name geschützt.

Insgesamt werden drei Werte zur Ermittlung der Bollinger Bänder herangezogen. Per arithmetischer Glättung der letzten 20 Tage wird der Durchschnittskurs errechnet. Danach wird der Kurs durch zwei weitere Standardabweichung berechnete Bänder umfasst. Die errechnete Standardabweichung wird mit einem konstanten Faktor (Bollinger empfiehlt den Wert 2) multipliziert und anschließend zum Wert des Durchschnitts addiert bzw. subtrahiert.

Ein Kurs nahe dem oberen oder unteren Band wird als Signal für eine kurzfristige Kursbewegung zum anderen interpretiert. Das Zusammenlaufen des oberen oder unteren Bandes in Richtung des arithmetischen gleitenden Durchschnitts impliziert eine größere Kursbewegung, wobei die Richtung nicht definiert werden kann. Bricht der Kurs jedoch aus den Leitplanken aus, wird die Fortsetzung dieser Bewegung angenommen.

Bollinger Bänder bestehen aus drei dynamischen Linien:

  1. Das mittlere Band besteht aus einem einfachen arithmetischen Durchschnitt. Die Standardeinstellung entspricht einer Glättung der letzten 20 Tage. Bollinger Bänder können jedoch auch auf Basis anderer Durchschnittsarten, wie beispielsweise einer exponentiellen Glättung, berechnet werden.
  2. Das obere Band liegt in der Regel zwei Standardabweichungen über dem mittleren Band. Die Parameter sind jedoch frei einstellbar.
  3. Das untere Band liegt in der Regel zwei Standardabweichungen unter dem mittleren Band. Die Parameter sind jedoch frei einstellbar.

Um dieses Konzept genauer zu erklären, werfen wir einen Blick auf den folgenden Chart:

gbp-usd-bollinger.jpg

Der obige Chart zeigt die Bollinger Bänder projiziert auf den GBP/USD. Die Standardeinstellungen entsprechen einem 20-Perioden-SMA sowie einem oberen und einem unteren Band mit zwei Standardabweichungen über bzw. unter der Durchschnittslinie. Hinweis: In sehr volatilen Phasen öffnen sich die Bänder stärker (linke Seite des Charts) und sie laufen in weniger volatilen Perioden zusammen (rechte Seite des Charts). Der Grund dafür ist, dass die Standardabweichung die Dispersionsbewegung des Kurses misst, d.h. es ist ein Maß für die Volatilität. Per Definition umfasst eine Standardabweichung, 68 Prozent der gesamten Kursbewegung, während zwei Standardabweichungen mehr als 95 Prozent der gesamten Kursbewegung festhalten.

Die Bänder agieren auch als starke charttechnische Unterstützungs- und Widerstandsniveaus für das Währungspaar - und das Paar notiert kaum außerhalb der Bänder. Trader sollten sich natürlich nicht ausschließlich auf Signale durch Bollinger Bänder verlassen. Sie erreichen die besten Ergebnisse, indem Sie diese Technik mit anderen nicht oszillatorischen Indikatoren kombinieren wie z.B. Candlestickmuster oder Chartmuster.

Ein weiterer technischer Ansatz stellt die Kombination der Bollinger Bänder mit dem MACD und RSI dar. Die Bollinger Bänder sollten Sie besser nicht allein betrachten, denn sie werden Ihnen keine Informationen über die zukünftige Richtung des Kurses geben. Sie messen ausschließlich die Preisvolatilität gemäß der Standardabweichungen der gleitenden Durchschnitte. John Bollinger empfiehlt zur Erzeugung von Handelssignalen Volumen-, Stimmungs- und Momentum-Indikatoren.

Zwar liefern die Bänder laut Bollinger keine konkreten Handelssignale. Dennoch wird das obere und das untere Band oft dazu eingesetzt, Preisziele zu definieren. Für gewöhnlich warten Trader darauf, dass der Kurs bei Berühren an einem der beiden Bänder abprallt und sich in die entgegengesetzte Richtung entwickelt. Wenn der Kurs das untere Band berührt und umdreht, dann das mittlere Band überspringt, entspricht das obere Band dem nächsten Kursziel. Wenn der Kurs jedoch das obere Band erreicht, rechnen Trader mit einer baldigen Korrektur in Richtung des mittleren Bandes. Hier gehen Trader eine Shortposition ein. Zum Schließen der Position kann dann das Erreichen des unteren Bandes definiert werden.

Viele Investoren verwenden die Bollinger Bänder auch um Überkauf- und Überverkauf-Situationen zu finden. Wenn der Kurs das obere Band erreicht, ist der Vermögenswert überkauft. Hier eröffnen Trader oft eine Shortposition und umgekehrt.

John Bollinger empfiehlt zwar eine Standardeinstellung von 20 Tagen und einem Faktor von 2. Diese Parameter können jedoch an eine bestimmte Handelsstrategie angepasst werden. Da die Zahlen der benutzten Perioden für den gleitenden Durchschnitt ebenfalls zur Berechnung der Standardabweichung des gleitenden Durchschnitts genutzt werden, sind nur kleine Anpassungen beim Faktor der Standardabweichung notwendig. Bei einem 50-Perioden-SMA empfiehlt Bollinger einen Faktor von 2,1, und für einen 10-Perioden-SMA einen Faktor von 1,9. Während kleine Anpassungen bei der Standardeinstellungen vorgenommen werden, sollten Trader sicherstellen, dass sich der Kurs überwiegend innerhalb der Bänder entwickelt. Falls das Paar nie außerhalb der Bänder notiert, ist ein kleinerer Faktor notwendig, während umgekehrt ein größerer Faktor notwendig ist, wenn der Kurs die Bänder zu oft durchbricht.

Der Squeeze

Wenn sich die Bänder aneinander nähern und die Distanz vom gleitenden Durchschnitt sehr klein wird, dann nennt man das einen Squeeze. Diese Marktbedingung impliziert eine sehr niedrige Volatilität, und Trader sollten sich auf eine höhere Marktvolatilität und potenzielle Handelsgelegenheiten einstellen. Bricht der Markt aus dieser Verengung aus, deutet dies auf den Beginn eines nachhaltigen Trends in Richtung des Ausbruchs hin. Öffnen sich hingegen die Arme der Bänder, bedeutet dies, dass die Marktvolatilität sehr hoch ist. In diesem Fall sollten sich Trader auf eine sinkende Volatilität einstellen und eventuell die Position schließen. Der nachfolgende Chart zeigt einen Squeeze mit einem erfolgreichen Anstieg der Kursvolatilität.

bollinger-bands-squeeze.jpg

Der Ausbruch

Ein Breakout bedeutet, dass der Kurs außerhalb des oberen oder unteren Bandes schließt. Diese Situation ist sehr selten, da 90-95 Prozent der gesamten Marktaktivität innerhalb der Bänder stattfindet, sofern die Standardeinstellung für die Berechnung der Standardabweichung von 2 genutzt wird. Daher ist ein Ausbruch ein Großereignis, aber es bietet kein vollständiges Handelssignal, weil die zukünftige Richtung des Preises oder der Zeitpunkt, wann ein Ausbruch erfolgen wird, unbekannt ist. Deshalb empfiehlt John Bollinger die Verwendung von anderen technischen Indikatoren zum Markteintritt. Der nachfolgende Chart zeigt einen falschen Ausbruch:

Einige Trader verwenden einen Ausbruch dennoch zur Positionseröffnung. Da die Bänder als Unterstützungs- und Widerstandslinien agieren, bietet ein Ausbruch des Kurses aus diesen Bändern eine potenzielle Handelsmöglichkeit. Im nächsten Chart zeigen wir Ihnen ein Ausbruchsszenario für den EUR/USD mit Bollinger Bändern (20,2).

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Mitte April 2002 bewegte sich der Kurs außerhalb des oberen Bandes mit einem großen bullischen Candlestick. Zur Bestätigung des Ausbruchs sollten Trader auf ein zweites Signal warten, welches tatsächlich das nachfolgende Candlestick gab. Bei der nächsten Periode nach dem Ausbruch wurde ein kleiner schwarzer Candlestick ausgeprägt. Der Höchst- und Schlusskurs befindet sich innerhalb des vorherigen Candlesticks. Dies ist das erste Signal für die Dominanz der Käufer. Bei der nächsten Periode wird ein bullischer Candlestick mit einem langen Schatten ausgebildet. Dieser schließt über dem oberen Band und bestätigt noch einmal, dass ein möglicher Aufwärtstrend vor uns liegt. Jetzt ist es an der Zeit eine Longposition zu eröffnen.

Das Paar notierte die nächsten Monate in der Nähe des oberen Bandes. Zwar wurde einige Male die Glättung der letzten 20 Perioden getestet. Der übergeordnete Trend blieb aber intakt. Die Position sollte entweder bei einem Fall auf das untere Band oder bei Anzeichen auf eine Abkühlung des Trends geschlossen werden.

In diesem Fall bildete der Kurs Anfang Juli kein neues Hoch, woraufhin das Paar ein Doppel-Top ausprägte. Das obere Band bot hier einen Chartwiderstand. Dies ist ein Kursniveau, wo Trader eine Schließung ihrer Position in Betracht ziehen sollten.

Den Bändern folgen

Eine weitere beliebte Handelsstrategie auf Grundlange der Bollinger Bänder ist den Bändern zu folgen. Während dynamischen Auf- und Abwärtstrends tendiert der Kurs in der Regel auf dem oberen oder auf dem unteren Band. Dies signalisiert, dass noch ausreichend Power hinter dem Trend steckt und das es zukünftig weiter nach oben gehen kann. Wie oben bereits erwähnt, bedeutet eine Standardabweichung von 2, dass 90-95 Prozent der Kursentwicklung innerhalb der Bänder stattfindet. Sobald ein Kurs also kontinuierlich sich entlang eines Bandes bewegt, stellt dies aus statistischer Sicht ein sehr seltenes Ereignis dar, wie dies auch bei Veränderungen bei fundamentalen Rahmenbedingungen bei Währungen der Fall ist.

bollinger-bands.jpg

Der obige Chart zeigt den EUR/GBP auf einem vierstündlichen Zeiteinheit. Am 26. Februar 2017 überbot der Kurs das vorherige Hoch und notierte für eine Weile außerhalb des oberen Bandes. Eine Positionseröffnung in Trendrichtung bot sich an, nachdem der Widerstand nach oben durchbrochen wurde, da der Kurs das Band bis zum 12. März berührte. Nachdem der Kurs etwas entfernt vom Band schloss, sollten Trader ihre Gewinne aus den Longpositionen mitnehmen und auf neue Einstiegssignale warten.

Schlussfolgerung

Bollinger-Bänder sind ein von John Bollinger entwickelter Indikator der technischen Analyse, der auf Veränderungen im Trend hinweisen soll. Bollinger Bänder sind ein effektives Tool für jede Trader-Toolbox, wenn sie richtig verwendet werden. Das obere und untere Band zeigen die Volatilität des Kurses, weil sie auf der Basis der Standardabweichung berechnet werden. 90% der gesamten Entwicklung des Kurses findet innerhalb der Bänder statt und jeglicher Ausbruch außerhalb der Bänder ist ein einzigartiges Event. In der Statistik spricht man von einer Gaussschen Normalverteilung. Der Ausbruch selbst ist kein Handelssignal, da es keine Hinweise über die Richtung oder den Umfang der Kursbewegung gibt. Zwar passieren falsche Ausbrüche mit den Standardabweichungen (N=20 und K=2) sehr häufig. Deshalb sollte ein Trader nachforschen, wann die Marktvolatilität steigt und ob dies eventuell einen fundamentalen Hintergrund hat. Bollinger Bänder sollten nicht als vollständige Handelsstrategie verstanden werden und sollten mit anderen technischen Indikatoren kombiniert werden, die auf eine Reihe von Daten wie Preis, Mustern und Trendlinien basieren. Hier fungieren die Bollinger Bänder als Filter und der zweite Indikator als Signalgeber.