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Profitables Trading mit Fast und Slow Stochastik

24 September 2017

Einem sehr alten, aber zugleich sehr effektiven und greifbaren Indikator - dem Stochastik-Indikator.

In der Regel schreiben wir überwiegend über Price Action, Candlesticks, Unterstützungs- und Widerstandsniveaus. Jedoch erreichten uns in der Vergangenheit einige Anfragen bezüglich dem Themenkomplex Indikatorenlehre. Deshalb beschäftigen wir uns in dieser Woche näher mit einem sehr alten, aber zugleich sehr effektiven und greifbaren Indikator - dem Stochastik-Indikator.

Technische Indikatoren können sehr nützlich sein, selbst für diejenigen, die nur auf Basis der Price Action handeln, zumindest sollten Sie die gebräuchlichen quantitativen Indikatoren kennen und verstehen. So erlangen Sie nämlich ein breiteres Verständnis für die Finanzmärkte. Also lassen Sie uns loslegen …

Was versteht man unter Stochastik? Laut Wikipedia ist die Stochastik „ein Teilgebiet der Mathematik und fasst als Oberbegriff die Gebiete Wahrscheinlichkeitstheorie und Statistik zusammen“.

Damit hat der eigentliche Stochastik-Indikator jedoch nichts zu tun. Vorsichtig ausgedrückt war es eine eher ungünstige Namensgebung. Als Momentumindikator basiert die Stochastik auf dem Prinzip, dass die Schlusskurse in einem intakten Aufwärtstrend nahe dem Tageshoch (überkauft), in einem intakten Abwärtstrend hingegen nahe dem Tagestief (überverkauft) liegen. Verliert der Markt an Schwung, kehrt sich der Markttrend um.

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Wie wird die Stochastik berechnet?

Dargestellt wird die Stochastik mit zwei Linien. Die %K fungiert als Stochastik, während die %D als Trigger bezeichnet wird. Insgesamt gibt es zwei Variationen von der Stochastik: Die Fast Stochastik und die daraus abgeleitete Slow Stochastik.  Beide Indikatoren oszillieren innerhalb einer Bandbreite von 0 und 100, wobei Werte über 80 als überkauft und Werte unter 20 als überverkauft interpretiert werden.

Errechnet wird die %K aus der Differenz des heutigen Schlusskurses zum Periodentiefstkurs, dividiert durch die Differenz von Periodenhoch zu Periodentief. Zur besseren Visualisierung wird dieser Quotient mit 100 multipliziert. Die %D spiegelt einen einfachen gleitenden Durchschnitt der %K wider. In den Standardeinstellungen der Fast Stochastik lautet %K auf einen Zeitraum von 5 Perioden und %D auf einen Zeitraum von 3 Perioden.

Die Slow Stochastik resultieret hingegen aus der Umbenennung von %D in %K. Auf dieser dynamischen Linie wird dann eine Glättung der letzten 3 Tage projiziert, welche dann %D darstellt. Für die Slow Stochastik wird eine Zeitperiode von 14 empfohlen. Jedoch werden für %K auch häufig folgende Parameter verwendet: 15, 10 oder 5 Perioden.

Die Stochastik liegt wie oben erwähnt in einem intakten Aufwärtstrend nahe dem Tageshoch. In einem intakten Abwärtstrend hingegen liegt die Stochastik nahe den Tiefs. Per Definition misst die Stochastik die Geschwindigkeit oder den Beschleunigungsgrad eines Wertpapiers. In extrem schnellen Märkten (wie oben zu sehen) tendiert die Stochastik steil gen Norden. Wie Sie unschwer erkennen ist die Stochastik fast vertikal gestiegen. Auch wenn sich der Kurs verlangsamt, spiegelt der Indikator diese Veränderung wider.

Welche Verwendungsmöglichkeiten gibt es bei der Stochastik?

Der Finanzanalyst George C. Lane entwickelte schon in den 1950er Jahren den Indikator für die Stochastik, womit er den zukünftigen Kursverlauf eines Vermögenswertes voraussagen wollte. Laut seinen Worten misst der Indikator die Stärke des vorherrschenden Trends und zeitgleich dient er in Seitwärtsphasen der Identifizierung von Umkehrpunkten. In starken Trendphasen gelten die Signale der Stochastik als unbrauchbar.

Auch deshalb gilt die Stochastik nicht Heiliger Gral. Wie oben bereits erwähnt ist sie in Zeiten mit ausgeprägten Trends nicht sinnvoll. Denn sie bewegt sich dann auf das untere Ende oder obere Ende des Graphen zu und oszilliert dann völlig willkürlich auf und ab, während der Markt nach oben bzw. nach unten tendiert. Dies ist ein weiterer Grund dafür, warum wir die Price Action gegenüber Indikatoren vorziehen. Wie jeder andere Indikator sollte die Stochastik nur in Verbindung mit trendfolgenden bzw. trendbestätigenden Indikatoren angewendet werden, so dass das Signal an Qualität gewinnt. Egal, wie verführerisch und einfach die Verwendung eines einzelnen Indikators auch klingen mag, Sie sollten immer die Gefahr im Blick haben, dass der Markt nicht das tut, was Ihnen die Indikatoren gerade sagen.

1. Verwendungsmöglichkeit des Stochastik-Indikators

Bullisches Signal: %K überkreuzt die langsamere %D von unten nach oben. Hier besteht die Chance auf eine potentielle bullische Trendumkehr und Marktteilnehmer interpretieren diese Entwicklung als ein Kaufsignal.

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Bärisches Signal: Wenn die schnelle Linie das langsamere Pendant von oben nach unten durchkreuzt, löst dies ein Verkaufssignal aus. Verstärkt wird dieses Signal, wenn die Stochastik aus dem überverkauften Bereich empor steigt.

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2. Verwendungsmöglichkeit des Stochastik-Indikators

Positive Divergenz: Bei positiven Divergenzen werden Marktteilnehmer den Vermögenswert kaufen wollen. Das Prinzip der Divergenz mit der Stochastik ähnelt dem der anderen Oszillatoren. Zunächst einmal suchen wir nach einem Extrempunkt im Verlauf des Indikators. Der Kurs des Vermögenswertes sollte neue Tiefs ausbilden, während das zweite Tief des Oszillators höher als das erste Tief liegt. Zur Verdeutlichung dieses Erklärung werfen Sie einen Blick auf folgendes Beispiel:

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Negative Divergenz: Umgekehrt liefert die Stochastik ein Verkaufssignal, wenn der Vermögenswert innerhalb eines Trends zwar ein neues Hoch erzielen konnte, die Stochastik aber kein gleichzeitiges Hoch erreicht. Dieses Phänomen wird im Fachjargon negative Divergenz genannt und deutet auf eine potenzielle Umkehr des übergeordneten Trends hin. Sobald dieses Szenario eingetreten ist, verkaufen Trader dieses Vermögenswert und er beginnt im Wert zu sinken.

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Generell wird die Verlangsamung des Impulses von den Marktteilnehmern als Erschöpfung des Marktes interpretiert, und so ändert sich in der Regel die Marktrichtung. Jedoch ist dies einfacher gesagt als getan, dann auch hier müssen Sie vor der Positionseröffnung Vorsicht walten lassen. Vor allem das allgemeine Marktumfeld und die Makrotrends müssen kontinuierlich untersucht und ausgewertet werden. Ich wiederhole es gerne: die Stochastik ist ein toller Indikator, aber wenn Sie sie alleine verwenden, drohen Ihnen höchstwahrscheinlich Verluste. Trader sollten diesen Indikator immer in Kombination mit anderen Methoden oder gar Zeiteinheiten einsetzen. Zum Einsatz sollten außerdem Price Action und Unterstützungs- und Widerstandsniveaus kommen. Seien sie extrem vorsichtig und überprüfen Sie Ihre Analyse stets mit anderen Indikatoren vor der Positionseröffnung.

3. Verwendungsmöglichkeit des Stochastik-Indikators

Eine weitere Alternative bietet der sogenannte Stochastik-Pop, welcher Jake Bernstein untersucht hat. Hier bewegt sich die Stochastik entweder über den Schwellenwert von 75 Prozent oder unter den Schwellenwert von 25 Prozent. Positionen werden eröffnet, sobald einer dieser Marken überschritten wird. Voraussetzung dafür ist jedoch eine im Vorfeld stark ausgeprägte Trendphase. Hier agieren Marktteilnehmer also antizyklisch, denn normalerweise schließen sie ihre Positionen bei Niveaus über 75 Prozent oder unter 25 Prozent. Bernstein empfiehlt Gewinnmitnahmen, wenn die schnellere Linie die langsamere Linie wieder kreuzt.

Überkaufte und Überverkaufte Zustände

Stochastik überkaufte Zustände

Wie andere Oszillatoren bewegt sich auch die Stochastik zwischen einem überkauften und einem überverkauften Zustand. Überkauft ist ein Vermögenswert, wenn die Stochastik den oberen Bereich des Graphen erreicht. Dies geht einher mit einem hohen Volumen. Hierbei werden die Werte von über 70 (80) als überkauft bezeichnet, woraufhin Trader den Blick eher nach unten richten sollten. Zur Bestätigung des beschriebenen Szenarios sollten Trader jedoch auch andere Indikatoren zur Hilfe nehmen. Seien Sie also auf der Hut, wenn Sie diesen Indikator verwenden.

Stochastik überverkaufte Zustände

Das Gegenteil von überkauften Zuständen sind überverkaufte. In der Regel signalisieren Werte in der Nähe des Minimums im Indikatorenverlauf eine überverkaufte Situation. Wie beim überkauften Zustand geht dies mit einem höheren Volumen einher. Werte ab 30 (20) gelten als überverkauft. Jedoch bleibt eine Frage offen: Wie wissen wir, wann der Vermögenswert wieder ein Kauf ist? Auch hier wird Ihnen die Stochastik die Entscheidung nicht abnehmen. Deshalb sollten Sie diesen Indikator nur als ein Teil Ihrer Handelsstrategie ansehen oder ihn zumindest mit verschiedenen Zeiteinheiten kombinieren.

Welche Stochastik-Variationen gibt es?

Die Stochastik gibt es in drei Variationen. Am häufigsten werden jedoch die Fast Stochastik, welche sehr viele Fehlsignale erzeugt, oder die Slow Stochastik, welche eine zuverlässigere Version der Fast Stochastik darstellt. Dann gibt es aber auch noch die Full Stochastik. Sie ist eine personalisierbare Version der Slow Stochastik.

Schlussbemerkung

Der Finanzanalyst George C. Lane entwickelte schon in den 1950er Jahren den Indikator für die Stochastik, womit er den zukünftigen Kursverlauf eines Vermögenswertes voraussagen wollte. Als Momentumindikator basiert die Stochastik auf dem Prinzip, dass die Schlusskurse in einem intakten Aufwärtstrend nahe dem Tageshoch (überkauft), in einem intakten Abwärtstrend hingegen nahe dem Tagestief (überverkauft) liegen. Verliert der Markt an Schwung, kehrt sich der Markttrend um.

Wie jeder Indikator oder Handelsansatz hat auch die Stochastik Stärken und Schwächen. Sie ist also nicht der Heilige Gral für Erfolg im Trading-Geschäft. Vor allem in der Identifizierung von Trendwechseln innerhalb einer Seitwärtsrange kann Ihnen die Stochastik gute Ergebnisse liefern. Jedoch sollten Sie sich nicht ausschließlich auf diesen Indikator verlassen, sondern zur Bestätigung auch andere Tools einsetzen. Denn nur so werden Sie mittel- bis langfristig qualitativ hochwertige Handelssignale erhalten und Ihr Trading auf die nächste Ebene bringen. Schwächen offenbart die Stochastik vor allem in ausgeprägten Trendphasen. Hier erzeugt sie häufig Fehlsignale.

Das Ziel dieses Artikels war, Ihnen einen anderen Blickwinkel auf die technische Analyse zu liefern. Verwenden Sie bitte nicht zu viele Indikatoren für Ihre Analyse. Denn dadurch verlieren Sie den Blick für das Wesentliche. Sie sollten nie vergessen, dass das Vertrauen in Ihre Fähigkeiten beim Trading am wichtigsten ist. Disziplin zählt genauso dazu wie ein solides Money Management und ein robustes Risiko Management. Alle drei Punkte dürfen Sie nie unterschätzen. Sie sollten immer Ihr Risiko im Blick haben, da Ihr Kapital Ihr einziges Gut ist.